Wien - Augustinerkirche

 
Das habsburgische Hofkloster – St. Augustin
 
Die Augustinerkirche hat von allen Wiener Klosterkirchen die engste Verbindung zum habsburgischen Hof, schon allein aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zur Hofburg: Die Verbindung war aber nicht nur baulicher Natur, sondern auch ideeller Art.
 
Das Wiener Augustinerkloster geht auf Herzog Friedrich I. („den Schönen“) zurück, der die Augustiner-Eremiten 1327 direkt neben der Burg ansiedelte und den Bau der nach dem Stephansdom zweitgrößten gotischen Kirche Wiens initiierte.

Die Augustiner-Eremiten waren ursprünglich ein Einsiedlerorden, der sich später zunehmend der Mission und Lehre widmete. Der Wiener Konvent wurde zu einem der führenden Mitteleuropas, aus dem bedeutende Gelehrte hervorgingen, unter anderem der „Leopold von Österreich“ genannte Verfasser der „Chronik der 95 Herrschaften“. Dieses lange Zeit bestimmende Werk zur österreichischen Geschichte mit stark prohabsburgischer Tendenz aus dem Ende des 14. Jahrhunderts verknüpfte die neue habsburgische Herrschaft in Österreich mit den historischen Traditionen des Landes.

Der Augustinerkonvent entwickelte sich zum habsburgischen Hofkloster und zum bevorzugten Schauplatz religiöser Zeremonien des Hoflebens. So diente die in die Klosteranlage integrierte Georgskapelle als Versammlungsraum der Ritter des Sankt-Georgsordens, ein der höfischen Mode des Spätmittelalters folgender habsburgischer Ritterorden, dem jedoch nur ein kurzes Leben beschieden war. Längere Tradition hat die Augustinerkirche als Ort habsburgischer Trauungen, denn hier wurden die meisten Hochzeiten der Habsburger geschlossen, so auch zum Beispiel die von Franz Joseph und Elisabeth im Jahre 1854. Eine besondere emotionale Bindung hatten die Habsburger zur 1627 im Mittelschiff der Kirche errichteten Loretokapelle (unter Joseph II. beseitigt). Dieses für die habsburgische Frömmigkeit der Gegenreformation typische Marienheiligtum war als kaiserliche Privatkapelle der ursprüngliche Standort der Herzgruft, wo die Herzen der Habsburger bestattet wurden.

1634 wurde die Kirche zur Hofpfarrkirche erhoben und die Augustiner Mönche übernahmen die Seelsorge für die Mitglieder des Kaiserhofes. Den hohen Stellenwert der Augustinerkirche für die Hofgesellschaft erkennt man auch daran, dass hier eine exklusive Begräbnisstätte des Hofadels entstand.

Im Zuge der josephinischen Klosterrefomen wurde die Zahl der Mönche schrittweise reduziert, bis das Kloster 1836 endgültig aufgelöst wurde (erst 1951 wurde das Kloster wieder von Augustinermönchen reaktiviert). Die Hofpfarre bestand aber unter der Leitung von Weltpriestern bis 1918 weiter.

Martin Mutschlechner

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Georgskapelle
 
Genuin unabhängig von der Augustinerkirche wurde südlich des Chores die Georgskapelle als liturgischer Versammlungsraum der von Herzog Otto dem Fröhlichen - einem jüngeren Bruder von König bzw. Herzog Friedrich dem Schönen - gegründeten St. Georgsritterschaft errichtet, die urkundlich 1337 als Stiftung von Ulrich von Wallsee erwähnt und 1341 geweiht wurde. Ihre Zweischiffigkeit erklärt sich daher in dieser Doppelfunktion der Widmung.
 
Die Kapelle diente gewiss als liturgischer Versammlungsraum des Georgs-Ritterordens und eben der Familie Wallsee und nicht als Kapitelsaal der Augustiner, denn dieser war der Kapelle vorgelagert und hatte gewiss auch ihren Zugang vom Kapitelsaal her. Daher erklärt sich die Zweischiffigkeit des Hallenraums, wobei jedes Schiff gleich breit ist und auch jeweils seinen 5/8-Schluss hat. Kapellenanbauten im Anschluss an Kapitelsäle sind keine Ausnahmen gewesen, so wurde im Zuge der barocken Umbauten diese zweischiffige gotische Hallen-Kapelle St. Georg vor allem durch den Einbau des mehrstöckigen Hoforatoriums südlich des Chores der Augustinerkirche mit dieser zu einer Einheit verwoben, die ursprünglich in diesem Ausmaß nicht gegeben war.
 
Analog der Augustinerkirche hat sich auch in der Georgskapelle die Architektur und die Bauplastik original erhalten, von der ursprünglichen Ausstattung jedoch nichts. Die beiden Altäre stammen aus der Romantik (um 1840) und enthalten ältere Bilder, die hl. Apollonia und den hl. Evangelisten Johannes auf Patmos, die vermutlich von älteren Altären aus dem 17. Jhdt. stammen. In der Kapelle befinden sich im Innenraum zwei bedeutende Wandgrabmäler von zwei Mitgliedern der Adelsfamilie Daun, nämlich das des 1741 verstorbenen Wirich Graf Daun, das bald nach 1745 von Jakob Schletterer (Westwand) und dasjenige des 1766 verstorbenen Leopold Graf Daun (Sieger von Kolin 1757), das aus Marmor und aus vergoldetem Blei von Balthasar Ferdinand Moll (Nordwand) geschaffen wurde.
 
Das auffälligste Einrichtungsstück ist jedoch der Kenotaph für Kaiser Leopold II., der sich inmitten des südlichen Schiffes der Kapelle über einem mächtigen Sockel befindet. Ursprünglich für die Kaisergruft bestimmt, wurde dieser von Franz Anton Zauner 1799 angefertigte Sarkophag in seinen klassizistischen Formen und letztlich noch von einem dem ausgeklungenen Spätbarock inspirierten Repräsentationsgedanken beeinflusst in der Georgskapelle dergestalt aufgestellt, dass diese einen Mausoleumscharakter erhielt.
 
Auch der Leibarzt von Maria Theresia (+ 1780) Gerhard van Swieten ist in der Gruft dieser Kapelle beigesetzt. Eine schlichte Grabplatte weist darauf hin.
 
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Von 1330 bis 1339 erbaute Diet­rich Ladt­ner von Pirn im Auftrag der Augustinereremiten eine einschiffige gotische Hallenkirche. 1351 wurde der Kirche die heute bekannte Georgskapelle zugefügt und 1400 wurde sie um den einschiffigen Chor erweitert. 
 
Die im 14. Jahrhundert durch Herzog Otto den Fröhlichen in Auftrag gegebene Kapelle diente als Versammlungsraum der St.Georgs-Ritterschaft. Später wurde sie zur Grabkapelle umfunktioniert. Dort befinden sich heute die Gräber von Reichsgraf Daun (Sieger von Kolin) und Gerard van Swieten, dem Leibarzt Maria Theresias. Das marmorne Hochgrab von Leopold II. dagegen ist leer. Die Überreste des Kaisers ruhen in der Kaisergruft der Kapuzinerkirche.