Klagenfurt: Herkules und der Lindwurm

Klagenfurt - Lindwurmbrunnen, Holzstich um 1880.jpg

Klagenfurt - Neues Rathaus 17. Jh., Lindwurmbrunnen.jpg

Lindworm and Hercules.jpg

Klagenfurt - Der Lindwurmbrunnen, Neuer Platz.
Monumentale Darstellung des Wahrzeichens der Stadt in Chloritschiefer. 1582 von den Landesständen an Ulrich Vogelsang in Auftrag gegeben, nach 1590 von dessen Bruder Andreas vollendet. Brunnen ab 1624. Herkules-Statue von Michael Hönel 1636. Das Spätrenaissancegitter von Georg Tillitz 1634. Wappen der 7 Verordneten, an der Westseite Landeswappen. 

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Der Lindwurm ist auch im Wappen der Stadt Klagenfurt dargestellt:

Wappen von Klagenfurt am Wörthersee

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Lit.:

August v. Jaksch, Ein Bildhauer des Lindwurmdenkmales in Klagenfurt.
- in: Car. I [Bd.] 88 (1898), S. 191 ff
August v. Jaksch, Kleine Mitteilungen: 7. Vom Lindwurmbrunnen in Klagenfurt.
- in: Car. I [Bd.] 104 (1914), S. 148.
[Car. I = Carinthia I. Mitteilungen des Geschichtsvereines für Kärnten,
redigiert von Dr. August v. Jaksch]

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Die Lindwurm-Sage

Es gibt verschiedene Versionen. In einer rächt sich eine Hexe mit Hilfe des Lindwurms an den Menschen, die sie gemieden haben.

Die bekannteste Version ist wohl (lt. Franz Pehr: Kärntner Sagen, Klagenfurt 1913, 5. Auflage, Klagenfurt 1960, Nr. 1, S. 9):

Zur Zeit, als in Karnburg Herzog Karast regierte, wuchs dort, wo heute Klagenfurt liegt, wildes Gesträuch im feuchten Moos. Nur auf den Bergen ringsherum wohnten Menschen. Wehe aber, wenn sie selbst oder eines von ihren Tieren sich in den nebeligen Sumpf verirrten - sie kamen nicht mehr zurück. Ein Ungeheuer lag dort im Dickicht versteckt und verschlang alles Lebendige. Niemand wagte sich in seine Nähe, kein Hirte getraute sich mehr, dort unten nach einem verlorengegangenen Stück Vieh zu suchen, selbst die tapfersten Männer fürchteten sich vor dem dumpfen Heulen, das manchmal aus dem Moore drang. Da ließ der Herzog am Rande des Sumpfes einen festen Turm erbauen und von weit und breit die Knechte zusammenrufen. Vom sicheren Turme aus sollten sie das Ungeheuer bekämpfen, mit List oder mit Gewalt. Dem Sieger versprach er die Freiheit, Land und reichen Lohn. Einige mutige Knechte machten sich nun ans Werk. Sie banden einen fetten Stier an eine lange Kette, an der ein Widerhaken befestigt war, und versteckten sich im Turm, von dessen kleinen Fenstern aus sie die Gegend überschauen konnten. Das Brüllen des gefesselten Stieres hallte über den Sumpf und lockte das Ungetüm hervor. Schon von weitem hörte man es kommen. Pfeilgeschwind schoss es daher, mit seinen Flügeln peitschte es das Wasser, am Körper war es mit großen Schuppen bedeckt, im schnaubenden Rachen drohten furchtbare Zähne. Mit seinen Krallen stürzte sich das Untier auf den zitternden Stier und begann ihn zu verschlingen. Da aber blieb es am Widerhaken hängen und wie ein Fisch an der Angel schlug es mit dem riesigen Schwanz um sich. Es war aber umsonst; je heftiger der Lindwurm an der Kette zerrte, desto tiefer grub sich das Eisen in den Rachen. Er kam nicht mehr los und die Knechte konnten ihn mit ihren eisernen Keulen erschlagen. Das ganze Land atmete auf, als es von seiner Plage befreit war, und die Leute siedelten sich in der Niederung an, wo der Herzog an Stelle des Turmes ein Schloß erbaute. Das Gestrüpp wurde ausgerottet, der Sumpf trockengelegt und der Boden bebaut. Das war die älteste Ansiedlung im Klagenfurter Becken. Zum Andenken an diesen Kampf steht ein riesiger steinerner Lindwurm auf dem Neuen Platz in Klagenfurt, und die Hauptstadt Kärntens zeigt heute noch in ihrem Stadtwappen den Turm mit dem Sagentier.

... oder (lt. J. Rappold, Sagen aus Kärnten, Graz 1887, S. 1):

Zur Zeit, als Herzog Karast von der Karnburg herab gebot, deckte die Gegend vom Wörthersee bis zur Drau nur feuchtes Moos, wildes Gesträuch und vielverzweigtes Baumgewirre. Während an den Bergen hin zahlreiche Herden weideten, betrat nur selten eines Menschen Fuß jenes unheimliche und undurchdringliche Dunkel, - denn keiner kehrte wieder, der sich dahin gewagt hatte. Ebenso verschwand manches fette Rind und wurde von den Hirten vergebens gesucht. Niemand hatte den unheimlichen Würger, der Menschen und Tiere vernichtete, je gesehen; denn meist lag schwerer Nebel über der Gegend. Nur manchmal ließ sich dumpfes Knurren oder fürchterliches Geheule vernehmen. Der Herzog gebot den Tapfersten seiner Scharen, den Sitz des Ungeheuers auszuforschen und es zu erlegen. Doch vergebens! Furcht und Schrecken hatte sich auch der Kühnsten bemächtigt.

Nur List konnte das verborgene Ungetüm aus seinem sicheren Schlupfwinkel herauslocken. In kurzer Zeit stand am Rande des Sumpfes ein fester Turm, aus dessen wohlverwahrten Öffnungen man den nahenden Feind weithin beobachten konnte. Ein mutiges Häuflein von Knechten, vom Preise des Sieges angelockt, zog hin zum Kampfe; denn der Herzog hatte verkünden lassen:

"Wer es wagt, mit List oder Gewalt, sich des Ungetüms zu bemächtigen, dem sei der Turm und reicher Lohn; das ganze Land von einem Flusse zum andern, so weit jetzt des Untiers gefräßiger Zahn herrscht, sei des Siegers Eigentum; er sei frei, wäre er auch ein Sklave jetzt!"

Ein fetter Stier wurde von den Knechten an eine Kette gebunden und an ihr ein Widerhaken befestigt. Das Gebrüll des geängstigten Tieres erfüllte weit umher die Lüfte. Nicht lange, und es brauste auf im Sumpfe und himmelan spritzte der Gischt. Wie ein Pfeil schoß ein scheußlicher Wurm hervor, geflügelt und panzerbedeckt. Seine Krallen packten das Tier, und sein zähneerfüllter Rachen öffnete sich, um es zu verschlingen. Da faßt den weichen Gaumen das gekrümmte Eisen. In furchtbaren Reifen schlägt das Ungeheuer nun den Schweif, und wütend gräbt es die spitzigen Krallen in des Rindes Bauch. Jetzt springen die Knechte rasch hervor, und mit eisernen, spitzbesetzten Keulen gelingt es ihnen, das Untier zu erlegen. Noch einmal krümmte und wand sich der lange Schlangenleib, dann war es vorüber und das Land von der Plage des Lindwurms befreit.

An der Stelle des Drachenkampfes entstand ein friedliches Dörfchen; und wo der Turm gestanden, baute sich der Herzog ein schützendes Schloß. Aus diesem Schloß und dem Dorfe entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eine Stadt, die jetzige Hauptstadt des Landes, das freundliche Klagenfurt.

Zur "Sagenfigur mit Keule, heute als Herkules bezeichnet" (die Figur wird allerdings schon 1633 als "Herkules" bezeichnet):

http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/Rudolfinum_2003_0265-0270.pdf

Zur Sage des Herkules und der Hydra (= Schwester der Chimaira):

http://www.fantasy-und-rollenspiel.de/helden/herakles.html

Die Hydra (griechisch Ὕδρα) ist ein vielköpfiges schlangenähnliches Ungeheuer der griechischen Mythologie. Wenn es einen Kopf verliert, wachsen an dessen Stelle zwei neue, zudem war der Kopf in der Mitte unsterblich. Die Hydra galt als Tochter der Echidna und des Typhon sowie als Schwester des Kerberos, der Chimaira und der Sphinx. Sie wuchs im Süden Griechenlands, in den schwer zugänglichen Sümpfen von Lerna in der Argolis auf, weshalb sie auch die Lernäische Schlange genannt wurde. Sie pflegte aufs Land herauszukommen, Viehherden zu reißen und Felder zu verwüsten.


Caeretan hydria, c. 525 B.C. - Main panel: Hercules slaying the Lernean hydra
Collection of the J. Paul Getty Museum, Malibu, California