Der Deutsche Orden - ein Hausorden Habsburgs

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Zusammenfassung

Der Deutsche Orden gilt seit dem Frieden von Preßburg (1805) als ein Hausorden des Geschlechts der Habsburger. Die vorliegende Arbeit versucht zu zeigen, dass diese Regelung nur eine Ordnung rechtlich festschreibt, die bereits mehrere hundert Jahre stillschweigend galt.
Exemplarisch wird dies an den Hochmeistern Leopold Wilhelm (1641-1662) und Karl Alexander von Lothringen (1761-1780) gezeigt, da sie in ihrer Meisterschaft beide bereits das Wohl Habsburgs über das des Deutschen Ordens stellten.

Der Deutsche Orden war bereits im 17. und 18. Jahrhundert ein Hausorden Habsburgs

‹41› Seit dem habsburgischen Hochmeister Maximilian „dem Deutschmeister“ (im Amt von 1590 bis 1618) ist im Deutschen Orden eine Dominanz des Hauses Österreich festzustellen. Von diesem Zeitpunkt an gelang es dem österreichische Haus, fast ununterbrochen den Hochmeister des Ordens zu stellen. Die hier exemplarisch untersuchten Hochmeister Leopold Wilhelm und Karl Alexander wurden jedoch nicht nur ‚für Habsburg‘ Hochmeister, sie versuchten auch stets, sich und den Orden im Sinne des Erzhauses zu verwenden. Beide waren Generäle der erzherzoglichen Armee und verwalteten für das Haus die österreichischen Niederlande. Beide sahen den Orden mehr als eine ihrer vielen Verpflichtungen und besuchten die Zentrale des Ordens nur selten. Keiner von beiden residierte in Mergentheim. Doch sobald der Orden, vor allem in militärischen Dingen, für Habsburg nützlich wurde, setzten sie diesen im Interesse des Erzhauses ein. Dies geschah meist im Kampf gegen die Osmanen zum Schutz der erzherzoglichen Erblande. Auf diese Weise konnten die Interessen Habsburgs gewahrt werden, ohne sich mit denen des Ordens direkt zu überwerfen. Die zahlreichen Einflussmöglichkeiten, welche sich einem „Hochmeister des Ordens der Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem“ bot, waren nicht nur zahlreich, sondern auch attraktiv für das Haus Habsburg und den konkreten Amtsträger. Gerade Karl Alexander konnte so seine Möglichkeiten ausbauen und sich stark im Interesse des Erzhauses verwenden.

‹42› Hierbei lässt sich folgende Tendenz erkennen: Habsburg gelang es über lange Zeit im Deutschen Orden das Führungspersonal zu bestimmen und auch auf lokaler Ebene eine (vor allem in den südlichen Balleien) auf Habsburg ausgerichtete Politik durchzusetzen. Die ‘installierten’ Persönlichkeiten waren stets bemüht, sich im Sinne ihres Hauses zu verwenden, und stellen diese Aufgabe über das Wohl des ihnen anvertrauten Ordens. Hierbei halfen ihnen die dem Orden nach der Trikonfessionalisierung und dem Verlust des Ordensstaates verbliebenen Mittel und Territorien, die sie jedoch gut und sparsam verwalten mussten. Höchste Priorität hatte in ihrem Handeln jedoch die habsburgische Politik.

‹43› So lässt sich also der Deutsche Orden, nachdem er sich bereits im Mittelalter eng an das Haus der Staufer angelehnt hatte, mit dem Meistertums Maximilians (1590-1618), spätestens jedoch mit dem Hochmeister Leopold Wilhelm als Hausorden des Hauses Österreichs bezeichnen. Der erst 1805 geschlossene Frieden von Preßburg legte zwar dieses Verhältnis erstmals rechtlich fundiert fest, beschrieb aber nur eine de facto längst offenkundig gewordene und etablierte Abhängigkeit.