Chronologie: Die Bruderschaft der St. Georgsritter und weitere Orden, welche den Namen des Heiligen Georg tragen

​Deutsche Übersetzung von http://www.orderstgeorge.ca/index.php?PG=history_details 
(=) http://sanktgeorg.net/content/chronology-fraternal-society-st-george-and-other-orders-st-george

Die nachstehende Chronologie führt wichtige Daten und Ereignisse auf, die sich auf die Bruderschaft der St. Georgsritter [= ungarischer St. Georgsorden] sowie auf weitere Orden beziehen, welche den Namen des Hl. Georg tragen, in verschiedenen historischen Epochen und in verschiedenen Ländern zumeist unabhängig voneinander auftraten und lediglich die Verehrung des heiligen Georg, des Schutzpatrons der Ritterschaft, gemein hatten.

Anmerkung: Die beigefügten Abbildungen sind Scans der Aquarelle aus dem Ordensbuch von A.M. Perrot. [ 1 ]


1201

Der Orden des Heiligen Georg von Alfama wurde von König Pedro (Peter) II (1178-1213) von Aragon in der Diözese Tortosa als kirchlicher Ritterorden zu Ehren des Hl. Peter [?] eingesetzt, um die Mauren und andere islamische Invasoren zu bekämpfen. Der Orden erhielt die Approbation des Heiligen Stuhls erst im Jahre 1363 und existierte nur kurze Zeit. Er folgte der Augustiner-Regel, wobei die Mitglieder einen weißen Habit trugen, aber bis zur Vereinigung des Ordens mit dem Orden von Montesa offenbar keine Insignien verwendeten (danach wurde das Kreuz des letzteren Ordens als Insignum angenommen). [ 1 ] [ 2 ] [ 4 ] [ 5 ]

1222

Der Stadtrat von Oxford bestimmt das Fest des Hl. Georg zum englischen Nationalfest; ab dem Jahre 1415 wurde der St.-Georgs-Tag als ein großes Doppelfest (vergleichbar mit Weihnachten) begangen, wobei an diesem Tag keine Arbeit verrichtet werden durfte. 

1326

Visegrád, Ungarn - König Károly Róbert von Ungarn (auch Karl I. von Ungarn, Karl Robert oder Karl Robert von Anjou genannt, geb. 1288 in Neapel, gest. 16. Juli 1342 in Visegrád) gründet die Brüderliche Gesellschaft der Ritterschaft vom St. Georg, den ersten monarchischen [also weltlichen] Ritterorden Europas. Das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt, der Orden existierte aber mit Sicherheit bereits am St.-Georgs-Tag des Jahres 1326 (23. April). Als historische Quelle über diese Brüderliche Gesellschaft liegt das einzige überkommene Exemplar ihrer Statuten vor, aus deren Präambel ersichtlich ist, dass an diesem Tag eine Reihe von Satzungsänderungen vorgenommen wurden (Text hier).

Der Orden florierte während der Regierungszeit von König Károly Róbert und war sogar noch erfolgreicher unter der Herrschaft seines Sohnes Lajos [Ludwig] dem Großen, der ihm nacheiferte. Nach dem Tode Lajos' kam es unter seinen Erben zu Thronstreitigkeiten, die Ungarn erneut in einen Bürgerkrieg stürzten. In der Folge spaltete sich der Orden vermutlich auf und hörte schließlich auf zu bestehen. Weitere historische Details über die Gründung hier. [ 3 ]

1369

Der Orden vom Heiligen Georg von Alfama (katalanisch: Orde de Sant Jordi d'Alfama, spanisch: Orden de San Jorge de Alfama) wurde 1369 mit Zustimmung des Gegenpapstes Benedikt XIII (1328-1423) mit dem aragonesischen Orden von Montesa wegen identischer Zielsetzung zusammengelegt und führte danach den Namen Orden von Montesa und vom Hl. Georg von Alfama. [ 1 ] [ 2 ]

1390

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Der Kreuzritter Philibert von Miolans gründete im Jahre 1390 den Orden des Heiligen Georg von Rougemont (oder Orden des Heiligen Georg von Burgund). Der Ritterorden hatte zum Ziel, die Reliquien des Heiligen Georg aufzubewahren, die Philibert angeblich aus dem Orient mitgebracht hatte. Diese wurden in einer kleinen Kapelle, welche für den Empfang der Ritter errichtet worden war, in der Nähe der Pfarrkirche von Rougemont deponiert. Die Ritter bildeten eine Bruderschaft und erweiterten im Jahre 1485 die ursprünglichen Statuten des Ordens, wobei sie gelobten, sich für die Befreiung von Gefangenen einzusetzen und für Witwen und Waisen zu sorgen. Für die Aufnahme in den Orden war es erforderlich, sechzehn adelige Vorfahren nachzuweisen. Ludwig XIV soll die Färbung des Ordensbandes von rot (Gules) in blau (Azure) geändert haben. Das Ordensemblem zeigt St. Georg den Drachentöter zu Pferde. Noch heute besteht ein Orden unter dem Namen Confrérie des Chevaliers de Saint-Georges, der den Anspruch erhebt, Nachfolger des ursprünglichen Ordens in kontinuierlicher Linie zu sein [ 1 ] [ 2 ]

1468

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Kaiser Friedrich III (1415-1493) reaktivierte den Orden des Heiligen Georg von Kärnten und Österreich, der ursprünglich 1290 von Rudolf I. von Habsburg eingesetzt worden war, der als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von 1273-1291 regierte. Die Ordensreorganisation des Jahres 1468 erfolgte zum Zwecke der Verteidigung der Religion gegen die Ketzer, insbesondere gegen die eindringenden Türken. Der Orden war als geistlicher Ritterorden konzipiert. Die ersten dreizehn Großmeister des Ordens waren allesamt Fürsten aus dem Hause Habsburg, welche von Kaiser Rudolf I. abstammten. Das Ordensemblem ist der klassische St. Georg als Drachentöter. [ 1 ] [ 2 ] [ 5 ]

1498

Der Orden des Heiligen Georg in Rom wurde im Jahre 1498 von Papst Alexander VI (1431-1503) zum Zwecke der Verteidigung der adriatischen Küste gegen Piraten gegründet. Der Orden überlebte seinen Gründer nicht. Das Ordensemblem war ein goldenes Kreuz innerhalb eines goldenen Kreises. [ 1 ] [ 2 ]

1534

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Der Orden des Heiligen Georg von Ravenna, ein angeblich von Papst Paul III (1468-1549) eingesetzter Ritterorden, hatte die Verteidigung der Stadt Ravenna und der Marschen von Ancona gegen die Moslems zur Zielsetzung. Der Orden wurde von Papst Gregor XIII im Jahre 1574 aufgelöst. Das Ordensemblem war ein achtzackiger roter Stern (Gules), darüber eine goldene Fürstenkrone (Or). Bei der Krone soll es sich um die St.-Stephans-Krone gehandelt haben, was jedoch in der obigen Darstellung nicht zum Ausdruck kommt. [ 1 ] [ 2 ]

1729

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Der Orden vom Heiligen Georg, dem Verteidiger der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria geht laut Aussagen bayrischer Historiker bis auf die Zeit der Kreuzzüge zurück, es gibt jedoch wenig Belege für diese Behauptung; einer der wenigen Fakten, die uns überliefert sind, ist, dass der Name bereits seit Karl VII. von Frankreich (1403-1461) in Verwendung stand. Der Orden wurde im April 1729 von Herzog Karl Albrecht von Wittelsbach, Kurfürst von Bayern, neu begründet. Die von Papst Benedikt XIII. ausgestellte päpstliche Bulle von 15. März 1728 bestätigt die Errichtung; in ihr heißt es: "Wir verleihen zudem dem Orden des Heiligen Georg alle Ehrentitel, Vorrechte, Privilegien, Befugnisse und Gunsterweisungen, welche der Apostolische Stuhl in wohlwollender Weise und in großer Fülle dem Deutschen Orden der seligen Jungfrau Maria gewährt hat und welche diesem zustatten kamen, da dieser Orden bei der Gründung des Ordens vom Heiligen Georg als Vorbild gedient hat." Die Ordenssatzung legte fest, dass der Großprior adeliger Herkunft sein müsse. Das Ordensemblem war ein Großkreuz mit breitem Band und einem zentralen Medaillon, welches den Heiligen Georg als Drachentöter darstellt. [ 1 ] [ 4 ]

1769

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Der russische Orden vom Heiligen Georg dem Siegreichen wurde von der Kaiserin Katharina II. (1729-1796) als Militärorden gegründet, um die Dienste ihrer Heeres- und Marineoffiziere zu belohnen. Er umfasste vier Klassen, wobei mit der ersten Klasse eine jährliche Pension von 700 Rubel verbunden war, mit der zweiten Klasse eine solche von 400 Rubel und mit der dritten Klasse eine solche von 200 Rubel. In den Orden wurden nur solche Offiziere aufgenommen, die vorher ein feindliches Schiff, eine feindliche Batterie oder einige vom Feind besetzte Stellungen erobert oder einer Belagerung ohne Kapitulation widerstanden oder wenigstens eine außergewöhnliche Leistung bei der Verteidigung oder bei der Erlangung eines Sieges erbracht hatten. Der Orden hatte keinen Großmeister, verfügte jedoch über zwei Räte, wobei einer die Marine und der andere das Heer vertrat. Die Ordensembleme waren je nach Klasse verschieden, bestanden aber jeweils aus einem Tatzenkreuz (croix pattée) mit einem in der Mitte angebrachten Medaillon mit der Figur des Heiligen Georg als Drachentöter. [ 1 ] [ 2 ]

1819

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Der Königliche und Militäroden vom Heiligen George der Reunion (Beider Sizilien = Neapel+Sizilien) wurde von König Ferdinand IV. von Neapel (1751-1825) per Dekret am 1. Januar 1819 gegründet, um für den Staat erbrachte Verdienste zu belohnen. Dieser Orden ersetzte den früheren Orden der Beiden Sizilien ersetzen. Über Organisation und Statuten dieses Ordens ist wenig bekannt. Die Ordensembleme bestehen aus einem rotern Kreuz (Gules), in dessen Mitte sich ein goldenes Medaillon (Or) mit der Figur des Heiligen Georg als Drachentöter befindet. Der Orden erlosch de jure im Jahr 1894 nach dem Tod von Franz II., dem letzten König Beider Sizilien. [ 1 ]


Literatur (vgl. die Verweise bei den einzelnen Ordenstexten):

[ 1 ] A.M. Perrot. Collection Historique des ordres de Chevalerie Civils et Militaries.....Chronologique des Ordres Éteints. Chez Aimé André Libraire-Éditeur, quai des Augustins, No. 59. Paris. 1820.

[ 2 ] Thomas Robson. The British Herald, or Cabinet of Armorial Bearings of the Nobility & Gentry of Great Britain & Ireland, from the Earliest to the Present Time...History of Heraldry.. Vol 1. Turner & Marwood. 1830.

[ 3 ] D'Arcy J.D. Boulton. The Knights of the Crown - The Monarchical Orders of Knighthood in Later Medieval Europe 1325-1520. The Boydell Press, Woodbridge, Suffolk, UK. 1987. ISBN 0 85115 417 4.

[ 4 ] Guy Stair Sainty (editor), Rafal Heydel-Mankoo (deputy editor). World Orders of Knighthood & Merit. Burke's Peerage Gentry, USA. 2006. ISBN 0-9711966-7-2.

[ 5 ] Lowell Alan Barker, Esq. The Knightly Renaissance: A Guide to Knightly Orders. Published by the author. Post Office Box 76, Sylvester, West Virginia 25193, USA. 1987.